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Zu Besuch im Lötschental VS

Fast 90 Gönnerinnen und Gönner fuh­ren am Freitag, 25. September 2026, ins Lötschental. Vertreter der Gemeinden Ferden, Wiler, Kippel und Blatten beglei­te­ten sie, um ihnen zu zei­gen, wie sie ihre zahl­rei­chen anspruchs­vol­len Aufgaben erfül­len und was die Unterstützung der Schweizer Patenschaft für Berggemeinden bewirkt.

Bereits die Zugfahrt von Zürich via Bern nach Goppenstein bot eine gute Gelegenheit sich rege aus­zu­tau­schen. Kaum hat­ten sich die zwei Postautos in Goppenstein auf den Weg durch die schma­le Schlucht Richtung Lötschental in Bewegung gesetzt, wur­den bereits die ersten Arbeiten sicht­bar, die das Bergtal beschäf­ti­gen. Die Kantonsstrasse wird saniert, eine Galerie wird bald vor Steinschlag und Lawinen schüt­zen. In den Dörfern Ferden, Wiler und Kippel fiel die Bautätigkeit auf. Die Gemeindepräsidenten Elmar Rittler, Wiler, und Christian Rieder, Kippel, wie­sen als Reiseführer dar­auf hin, wie Private und Gemeinden dar­an sind, neu­en Wohnraum gegen die Abwanderung zu schaf­fen. Viele Aufgaben, wie Schule, Sicherheitsdienst, Forst und Feuerwehr packen die vier Gemeinden mit ins­ge­samt knapp 1400 Einwohnern gemein­sam an. Am hin­te­ren Dorfrand von Kippel dann, dort wo die Strasse zur­zeit noch in eine wei­te­re Baustelle über­geht, folg­te der Blick auf die Herkulesausgabe: der Wiederaufbau des Dorfes Blatten, das am 28. Mai 2025 von einem mas­si­ven Gletscher- und Bergsturz ver­schüt­tet wurde.

Unbändiger Wille der Bevölkerung

Zur offi­zi­el­len Begrüssung ver­leg­te sich die Gesellschaft in die Burgerstube Ferden. Hier hat­te sich schon die Alphornformation M-Trio mit den Gebrüdern Manfred, Matthias und Manuel Ebener auf­ge­stellt und erfreu­te mit ihrem gekonn­ten Spiel. Im Saal stand der Apéro mit Walliser Spezialitäten bereit. Unser Präsident Werner Luginbühl zeig­te sich beein­druckt, dass nicht nur die Wunden der letz­ten Ereignisse sicht­bar sind, son­dern auch die Schönheit der Natur und eben­so der unbän­di­ge Wille der Bevölkerung, das Dorf Blatten wie­der­auf­er­ste­hen zu las­sen. Nach der kur­zen Vorstellung unse­res neu­en Geschäftsleiters, Roger Metry, der am 1. November 2026 die Nachfolge von Barbla Graf antritt, bedank­te er sich bei den Verantwortlichen der Talschaft und der Gemeinden für die Gastfreundschaft.

Mitgefühl und Unterstützung

Es folg­te der Talratspräsident Hans Seeberger, der den Dank erwi­der­te: «Schön, dass ihr uns beglei­tet und unter­stützt. Wir schät­zen es sehr, dass ihr nicht nur die Schönheiten seht, son­dern auch die Menschen.» Im Hinblick auf den Bergsturz gab er zu beden­ken, dass etwas, das lan­ge selbst­ver­ständ­lich war, plötz­lich nicht mehr da sein kann: «In die­sen Situationen tun Mitgefühl und Unterstützung gut. Wir schau­en mit Zuversicht nach vorn, dass wir auch in Zukunft sagen kön­nen: Hier will ich leben. Aber dafür sind wir auf Unterstützung ange­wie­sen.» Er schloss mit

Vergält äs Gott z tui­sig Maln

Und gäb ä Gott in ewig’n Lohn

Und bignad schi Gott alli

Und gäbä nä Gott d ewi­gu Ruäh!

Erleben, was die Unterstützung bringt

Die Grussbotschaft des Kantons Wallis über­brach­te Staatsrat Franz Ruppen. Er bedank­te sich bei den Gönnerinnen und Gönnern, dass sie die Gelegenheit wahr­neh­men, einen Blick auf das Tal zu wer­fen und zu erle­ben, was die Unterstützung bringt. Er stell­te fest, dass das Interesse wächst, in den Bergen zu leben, aber dafür brau­che es Dienstleistungen und Infrastruktur. Die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden, fuhr er fort, habe mehr­mals gross­zü­gi­ge Hilfe gelei­stet. Darin zei­ge sich immer wie­der, dass die Solidarität zur Schweiz gehört. So kön­ne man Lasten tra­gen, die man allein nicht bewäl­ti­gen kön­ne. Grosse Investitionen zum Beispiel in den siche­ren Zugang zum Tal, hät­ten einen gros­sen Nutzen. Denn: «Unsere Täler sind nicht ein­fach Randgebiete. Sie sind fester Bestandteil des Landes und tra­gen zur Wirtschaft und zur Energiegewinnung bei.» Er schloss mit dem gros­sen Dank der Walliser Regierung an die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden und ihre Gönnerinnen und Gönner.

Unser Vorstandsmitglied André Blattmann über­mit­tel­te nicht nur das wei­te­re Programm, das die Gäste erwar­te­te, son­dern schil­der­te auch sei­nen Eindruck: «Was wir hier sehen, bewegt und gibt gleich­zei­tig Zuversicht. Ich bin beein­druckt vom Elan, mit dem hier gear­bei­tet und was gelei­stet wird.» 

Nicht nur Zusammenarbeit, son­dern auch Beziehung

Dann wand­te sich Valentin Werlen im Namen der vier Gemeinden an unse­re Geschäftsleiterin Barbla Graf und bedank­te: «Wir haben dei­ne per­sön­li­che Verbundenheit mit dem Tal immer sehr geschätzt. Es war nicht nur eine Zusammenarbeit, son­dern auch eine Beziehung. Herzlichen Dank von den Gemeinden Ferden, Wiler, Kippel und Blatten!» Die vier Gemeindepräsidenten über­ga­ben Barbla Graf einen Gutschein, den sie für ihren eige­nen klei­nen Garten ein­set­zen kann.

Barbla Graf ist von die­ser Geste sehr berührt. «Es war mir eine gros­se Ehre und Freude, für das Berggebiet tätig zu sein. Das ist aller­dings nur mög­lich, weil wir auf die Unterstützung der Gönnerinnen und Gönner und auf das gros­se Engagement der Verantwortlichen vor Ort zäh­len kön­nen. Ich freue mich, die­se edle Aufgabe an Roger Metry zu über­ge­ben. Ich wer­de sicher wie­der im Lötschental anzu­tref­fen sein – vie­len Dank.»

Moderner Arbeitgeber

Die näch­ste Station war der Werkhof in Wiler. Hier stell­te Flavia Bellwald, zustän­dig für Administration und Organisation, den Werkhof und Forst Lötschental vor. Siebzehn Mitarbeitende zählt der Betrieb. «Unser Ziel ist, ein moder­ner Arbeitgeber mit Aus- und Weiterbildung zu sein», beton­te sie. Zu den Tätigkeitsgebieten zäh­len neben dem Unterhalt von 1600 Hektaren Wald, davon 1000 Hektaren Schutzwald, die Brennzholzproduktion, Steinschlag- und Lawinenverbauungen, Schnee- und Lawinenräumung, Arbeiten nach Schneedruckschäden wie auch die Räumung des Stausees von Treibholz. Damit kann der Betrieb ein wei­te­res Ziel errei­chen, näm­lich finan­zi­ell selbst­tra­gend zu sein.

Zusammenhalt hat nicht nachgelassen

Matthias Bellwald, Gemeindepräsident von Blatten, schil­der­te den Stand der Arbeiten zum Wiederaufbau des ver­schüt­te­ten Dorfes. Aufgrund der kom­plett über­ar­bei­te­ten Gefahrenkarte steht fest, wo gebaut und wie­der gewohnt wer­den kann. Bereits im lau­fen­den Jahr kön­nen die ersten Bewohner zurück­keh­ren, 2029 sol­len alle, die wol­len, im neu­en Blatten leben. Er liste­te zahl­rei­che Arbeiten auf, die bereits erfolgt sind: die Notstrasse – die Nabelschnur! – die pro­vi­so­ri­sche Wasser- und Abwasserversorgung, die Energieversorgung, die Bestossung der Alpen. Gut auf Kurs sind die Hangräumung von Schutt, die Rekultivierung, die neue Seilbahn zum Weiler Weissenried als win­ter­si­che­re Verbindung. Umfassende und sorg­fäl­ti­ge Planungsarbeiten zur Gestaltung des neu­en Dorfes wie ein Workshop mit der Bevölkerung, das Anforderungsprofil, die Grundlagen für sechs Teams, die Vorschläge erar­bei­ten, wie Blatten der­einst aus­se­hen soll, lau­fen. Er schil­der­te auch die Herausforderungen: ein anspruchs­vol­ler Zeitplan – «wir kön­nen die Leute nicht ver­trö­sten» –, Sicherheit trotz Zeitdruck, Partizipation und Finanzierung – «kein Luxus, aber alles, was es braucht zum Leben» –, Vertrauen und Kommunikation. Hier bat er um Verständnis und Vertrauen auf Seiten der Unterstützer. Quasi als Sicherheit schil­der­te er am Beispiel der Musikgesellschaft Fafleralp Blatten, die beim Bergsturz Instrumente, Uniformen und Fähnlein ver­lo­ren hat­te, sich unver­mit­telt wie­der aus­rü­ste­te, wei­ter­spiel­te und am Eidgenössischen Musikfest Biel-Bienne 2026 Schweizermeister wur­de. «Unser Zusammenhalt hat nicht nach­ge­las­sen», stell­te er stolz fest.

Reiche Geschichte

Zum Mittagessen ging es in die Mehrzweckhalle Kippel. Das fei­ne Essen, gekocht und ser­viert von Lötschentalerinnen und Lötschtentalern, wur­de gekrönt von der beherz­ten Darbietung der Schülerinnen und Schüler der 1. und 2. Oberstufe der Orientierungsschule. Dann lud Christian Rieder, Gemeindepräsident von Kippel, zum Dorfrundgang und in die Kirche Stankt Martin ein. Nach dem Gang an den hei­me­li­gen Holzhäusern vor­bei emp­fing Prior Thomas Pfammatter zu einem kur­zen Referat über den Kirchenschatz.

Den musi­ka­li­schen Abschluss boten FlexBrass, ein Zusammenzug der Musikgesellschaft Fafleralp Blatten. Ihr Spiel, getra­gen von der her­vor­ra­gen­den Akustik der Kirche, hin­ter­liess berühr­te Gesichter bei der Gästeschar und war eine Bestätigung der Worte von Matthias Bellwald zum intak­ten Zusammenhalt im Tal.

Mit einem «Vergält’s Gott» ent­liess sodann Christian Rieder die Gesellschaft und André Blattmann schloss mit einem herz­li­chen Dank für die Organisation an Valentin Werlen und Barbla Graf, der mit gros­sem Applaus quit­tiert wur­de. Den wei­te­ren Dank rich­te­te er an alle Anwesenden: «Danke für das Interesse und die Gesellschaft, die wir tei­len durf­ten, und eben­falls für den Einblick, der uns schliess­lich bestä­tigt: Der Gönnerfranken ist hier sinn­voll eingesetzt.»