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Jahresversammlung 2026

Rund 500 Besucher – Vertreter von Kantonsregierungen, Städten, Gemeinden, Stiftungen, Institutionen sowie pri­va­te Gönnerinnen und Gönner – konn­te der Präsident, alt Ständerat Werner Luginbühl, am 8. Mai 2026, in Zürich begrüs­sen. Als Gastkantone zeig­ten sich Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden von ihrer besten Seite.

Den Auftakt zur Versammlung bil­de­te ein musi­ka­li­scher Gruss der Gastkantone: Die 42 Primarschülerinnen und -schü­ler aus der Gemeinde Schwellbrunn AR boten eine beschwing­te und beseel­te Gesangseinlage. Dann begrüss­te unser Präsident, Werner Luginbühl, die Anwesenden aus der gan­zen Schweiz. Er blick­te auf ein anspruchs­vol­les Geschäftsjahr 2025 zurück. Überschattet wur­de es vom Bergsturz in Blatten, der eine enor­me Solidaritätsbekundung der Gönnerinnen und Gönner aus­lö­ste. Auch für wei­te­re Projekte konn­te die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden auf gros­se Unterstützung zäh­len. Insgesamt prüf­ten die Expertinnen und Experten sowie die Geschäftsstelle 198 Projekte im Berggebiet und im Jura. Der Vorstand sprach rund 16 Millionen Franken Beiträge. Werner Luginbühl wies auf die gros­se Unterstützung hin, die die Bergbevölkerung erleb­te: «Die Bewältigung von beson­de­ren Ereignissen wie auch die Unterstützung der Berggemeinden bei Infrastrukturen ist nur mög­lich dank unse­ren Gönnerinnen und Gönnern. Gerade im aktu­ell sehr anspruchs­vol­len Umfeld scheint es ihnen ein beson­de­res Anliegen zu sein, die Solidarität auch im Inland zu leben und zu pfle­gen.» Er dank­te allen Gönnerinnen und Gönnern sowie der Geschäftsleiterin, den Mitarbeiterinnen der Geschäftsstelle, den Vorstandsmitgliedern und Experten, die alle ihren Teil zum Gelingen bei­getra­gen haben.

Tatkräftige Unterstützung für die Berggebiete

Auch die Geschäftsleiterin Barbla Graf stell­te erfreut fest: «Unsere Gönnerinnen und Gönner haben uns im letz­ten Jahr die Treue gehal­ten und immer wie­der tat­kräf­tig die ver­schie­den­sten Projekte im Berggebiet unter­stützt. Vielen herz­li­chen Dank.» Im Jahr 2025 hat die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden 27.6 Millionen Franken ent­ge­gen­neh­men und eine Million Franken ver­mit­telt. Das sind gut 10 Millionen Franken mehr als im Vorjahr. Barbla Graf erläu­ter­te die Verwendung der Spenden und Legate: Insgesamt konn­ten rund 16 Millionen Franken für Projekte ein­ge­setzt wer­den. Davon gin­gen 5.17 Millionen Franken an all­ge­mei­ne Infrastrukturprojekte wie Strassen, Wege, Seilbahnen und Hochbauten, wobei allein an Wasser- und Abwasserprojekte rund 2.5 Millionen Franken aus­ge­rich­tet wur­den. Gut 2 Millionen Franken gin­gen an das Schul- und Gesundheitswesen. 2.33 Millionen Franken konn­te die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden für land­wirt­schaft­li­che Projekte wie Alpsanierungen, Meliorationen und Erschliessungen spre­chen. 482’000 Franken wur­den für forst­wirt­schaft­li­che Projekte ein­ge­setzt und 365’000 Franken für kul­tu­rel­le und ande­re Projekte. 5.61 Millionen Franken gin­gen an Verbauungsprojekte und an die Bewältigung von Elementarschäden, unter ande­rem in Blatten, im Misox und in Brienz GR. Barbla Graf dank­te allen Anwesenden von gan­zem Herzen für ihren Einsatz für das Berggebiet und für die gros­se Mithilfe. Denn nur dank die­ser Unterstützung sei es mög­lich, die schö­ne Aufgabe der Schweizer Patenschaft für Berggemeinden erfül­len zu können.

Neu im Vorstand

Die Versammlung wähl­te zwei neue Mitglieder ein­stim­mig und unter gros­sem Applaus in den Vorstand. Ruth Büchi-Vögeli ist Kantonsrätin und amtie­ren­de Gemeindepräsidentin von Elgg ZH. Peter Hegglin ist seit 2015 Ständerat für den Kanton Zug. Die bei­den neu­en Vorstandsmitglieder wer­den ihre ehren­amt­li­che Tätigkeit für die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden Anfang 2027 aufnehmen.

Weiter wur­den Karin Stierli-Welti und Theodor Steinmann als Mitglieder der Kontrollstelle und Anton Vogt als Ersatzmitglied bestä­tigt sowie als Revisionsstelle die Ernst & Young für ein wei­te­res Jahr gewählt.

Stehender Applaus für Barbla Graf

Barbla Graf ist seit über 41 Jahren für die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden tätig, seit 28 Jahren lei­tet sie die Geschäftsstelle. Im Herbst 2026 wird sie die Geschäftsleitung in neue Hände geben. Werner Luginbühl wür­dig­te Barbla Graf für ihre Arbeit, die sie stets mit Herz und Verstand lei­ste­te, und ins­be­son­de­re für ihren Einsatz für die Bergbevölkerung in schwie­ri­gen Situationen: «Wir sind Barbla Graf zu aller­gröss­tem Dank ver­pflich­tet. Gerade in Gemeinden, die von ver­hee­ren­den Ereignissen wie Unwettern, Waldbränden, Lawinenniedergängen oder dem Bergsturz Blatten betrof­fen waren, wur­de es aus­ser­or­dent­lich geschätzt, dass sich Barbla Graf ein paar Stunden nach dem Ereignis mel­de­te und mit­tei­len konn­te: ‹Wir sind da für euch. Die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden wird alles tun, um euch bei der finan­zi­el­len Bewältigung der Ereignisse zu helfen.›»

Ein kur­zer Film mit dem Titel «Fotoalbum für Barbla Graf» liess lang­jäh­ri­ge Weggefährtinnen und Weggefährten zu Wort kom­men, die in ein­drück­li­chen Worten schil­der­ten, wie Barbla Graf die frucht­ba­ren Beziehungen zwi­schen Bergbevölkerung und Gönnerinnen und Gönnern über Jahrzehnte pfleg­te. Für ihre Verdienste ver­lieh die Versammlung Barbla Graf die Ehrenmitgliedschaft der Schweizer Patenschaft für Berggemeinden – mit ste­hen­dem Applaus.

Sichtlich gerührt bedank­te sich Barbla Graf: «Es war und ist mir eine gros­se Ehre und Freude, für die­se gross­ar­ti­ge Organisation und für das Berggebiet tätig zu sein. Ich dan­ke dem Präsidenten, den Ehrenmitgliedern, dem Vorstand und den Experten, den Gönnerinnen und Gönnern, den Akteuren in den Berg- und Juragemeinden, mei­ner Stellvertreterin und dem Team für die gute und erfolg­rei­che Zusammenarbeit, für die unzäh­li­gen schö­nen Begegnungen und für die gross­ar­ti­gen Menschen, die ich ken­nen­ler­nen konn­te. Mit lei­sen Worten zusam­men mit Ihnen Grossartiges zu bewe­gen, hat mich in all den Jahren beglei­tet.» So wol­le sie das auch jetzt hal­ten. Mit einem per­sön­li­chen Abschiedsgeschenk, einem Glas Honig aus ihrer Heimat, das alle am Ende der Versammlung von ihrem Göttibueb und ihrem Neffen erhal­ten wer­den, sag­te sie Danke.

Musikalischer Ausklang der Schwellbrunner Kinder

Am Schluss der Versammlung boten die Schwellbrunner Kinder mit ihrer Dirigentin Salome Wanner noch ein­mal eine ein­drück­li­che und äus­serst sym­pa­thi­sche musi­ka­li­sche Gesangseinlage.

Grussbotschaften aus den Bergregionen

Eine Reihe von Regierungsvertretern ergriff das Wort und über­brach­te den Dank aus den Regionen und der Bevölkerung. Stefan Müller, Landeshauptmann Kanton Appenzell Innerrhoden, und Hansueli Reutegger, Landammann Kanton Appenzell Ausserrhoden, über­brach­ten die Botschaft gemein­sam. Stefan Müller hielt einen Rückblick auf die lan­ge Geschichte der bei­den Halbkantone und hob deren Gemeinsamkeiten – nebst eini­gen Unterschieden – her­vor. Hansueli Reutegger stell­te fest, dass der Zusammenhalt wächst, wenn die Herausforderungen grös­ser sind. Die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden unter­stüt­ze sie dort, wo sie sonst finan­zi­ell anstün­den. «Besonders wert­voll: Die Unterstützung ist kein Almosen, son­dern bie­tet ech­te Chancen. Menschen in den Berggebieten brau­chen Menschen, die an sie glau­ben, so wie Sie, ver­ehr­te Gönnerinnen und Gönner, es seit vie­len Jahren tun.»

Didier Castella, Staatsrat Kanton Freiburg, über­brach­te den Dank und die Grüsse des Staatsrates des Kantons Freiburg. Er schil­der­te die Situation der Gemeinde so: «Wir arbei­ten zwar im schön­sten Büro der Schweiz, aber die Arbeit ist nicht ein­fach. Ihre Unterstützung ist exi­sten­zi­ell. Die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden baut Brücken – vie­len Dank für Ihre Grosszügigkeit.»

Marianne Lienhard, Regierungsrätin Kanton Glarus, rich­te­te die Grüsse ihres Kantons aus. «Barbla Graf und die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden haben sich immer dafür ein­ge­setzt, dass die Berggebiete wei­ter exi­stie­ren. Damit wir unse­re Infrastrukturen finan­zie­ren kön­nen, braucht es Sie. Zusätzlich neh­men die Naturgefahren zu – wir schät­zen Ihre Unterstützung sehr.»

Raphaël Ciocchi, Staatsrat Kanton Jura, begrüss­te die Versammlung im Namen der zahl­rei­chen Gemeindevertretungen sei­nes Kantons. Er beton­te: «Ohne Ihre Unterstützung könn­ten wir vie­le Aufgaben nicht lösen.» Seinen per­sön­li­chen Dank an Barbla Graf brach­te er auf Rätoromanisch dar – der Applaus dafür war ihm gewiss.

Urban Camenzind, Regierungsrat Kanton Uri, dank­te im Namen des Kantons und des Volkes. «Ihr Beitrag, unkom­pli­ziert und unbü­ro­kra­tisch aus­ge­rich­tet, ist ein wert­vol­ler Beitrag dafür, dass das Gefälle zwi­schen Unterland und Berggebiet nicht grös­ser wird.»

Martin Bühler, Regierungspräsident Kanton Graubünden, beton­te eben­falls die Brücken, die die Schweizer Patenschaft für Berggemeinden zwi­schen Tal und Berg baut. «Sie för­dern nicht nur Projekte, son­dern schaf­fen Perspektiven. Ihre Solidarität ist kei­ne Floskel, son­dern eine Haltung – Taten statt Worte!» Als beson­de­ren Gast bat er Aita Zanetti, Gemeindepräsidentin von Scuol und Grossrätin, auf die Bühne. Als Schwester von Barbla Graf erin­ner­te sie an die gemein­sa­me Kinder- und Jugendzeit in Sent. Zur Kindheitserinnerung gehört die Senter Eigenart, dass der Dorfhügel «il mot» unter­halb des Dorfes liegt, man steigt also auf den Hügel hin­un­ter. Auf die­sem Hügel wird der Kanton Graubünden eine höl­zer­ne Liege zu Ehren von Barbla Graf errich­ten. Das Modell der Liege über­reich­te Martin Bühler mit sei­nen besten Wünschen und dem Dank für die segens­rei­che Tätigkeit für Graubünden und die gan­ze Schweiz.

Von der Katastrophe am 28. Mai 2025 zum Aufbau 2030

Im Anschluss an den sta­tu­ta­ri­schen Teil der Versammlung berich­te­te Matthias Bellwald, Gemeindepräsident von Blatten, mit star­ken Worten und Bildern über die Tage vor und nach der Katastrophe, über die Planung des Wiederaufbaus und den aktu­el­len Stand der Arbeiten. Diese waren von Anfang an geprägt von Optimismus: «Wir wuss­ten, nicht alles ist ver­lo­ren, es gibt intak­te Teile. Und wenn wir genug Kraft auf­brin­gen, Geduld haben und syste­ma­tisch und ziel­ge­rich­tet arbei­ten, wer­den wir ein neu­es Blatten auf­bau­en können.»

Eindrücklich zu erfah­ren war, wie die Wiederherstellung von Ordnung im Chaos von stat­ten ging. Zuerst muss­ten die Bedürfnisse der Bevölkerung, die zum Teil ihr gan­zes Hab und Gut ver­lo­ren hat­te, abge­deckt wer­den. Die Finanzen durf­ten nicht aus­ser Acht gelas­sen wer­den – für das Funktionieren der Gemeinde ging es unter ande­rem dar­um, die vier Wasserkraftwerke wie­der ans Netz zu brin­gen. Wichtig war auch, der Bevölkerung Sicherheit zu vermitteln.

Wie durch ein Wunder wur­de der Schlüssel aus der Burgerstube gefun­den, jenem Gebäude, das aus der Schaffung des Gemeinwesens im Jahr 1713 stammt. In die­sem Schlüssel, so Matthias Bellwald, stecken drei Werte, die den Menschen beim Wiederaufbau hel­fen wer­den: der Glaube dar­an, Blatten wie­der auf­zu­bau­en und zu bele­ben, die Hoffnung, dass die Solidarität und die Unterstützung anhal­ten, und die Liebe zum Dorf nicht erlischt, und das Herz auf die­sem Weg wei­ter kräf­tig schlägt. Matthias Bellwald bedank­te sich für die Unterstützung der Gönnerinnen und Gönner und für die Gewissheit, auch in Zukunft mit finan­zi­el­ler Unterstützung rech­nen zu dür­fen. «Es war nicht selbst­ver­ständ­lich, dass ich ab der ersten Stunde der Katastrophe tele­fo­nisch kon­tak­tiert wur­de, und die Stimme am Telefon die Sätze sprach: ‹Ihr seid nicht allein! Wie geht es dir? Wenn ihr Hilfe braucht, hel­fen wir unkom­pli­ziert.› Ihr alle wisst, wer ange­ru­fen hat: Danke, Barbla.»

Matthias Bellwald schloss mit einem hoff­nungs­vol­len Bild der Zukunft von Blatten: «Ein Wohndorf mit Charme, in dem ich in eini­gen Jahren hof­fent­lich vie­le von euch begrüs­sen kann.»

Bodenständiges aus Appenzell

Den Apéro stif­te­ten und prä­sen­tier­ten die Vertreter aus Appenzell Innerrhoden und Appenzell Ausserrhoden. Das Buffet war ein ein­drück­li­cher Nachweis für die hei­mi­schen Speisen, die sym­pa­thi­sche Präsentation und ein Zeichen für die Gastfreundschaft der Appenzellerinnen und Appenzeller. Den leben­den Beweis für Tradition und Lebensfreude bot die Kapelle Sowieso. Die jun­gen Talente zeig­ten, dass boden­stän­di­ge Musik nicht nur star­ke Wurzeln, son­dern auch eine Zukunft hat.