Projektbesichtigung der erneuerten Viehtränken auf den Alpen Tamons und Matells SG
Die sanierten Viehtränken auf den Alpen Tamons und Matells oberhalb Sargans sichern den Alpbetrieb und waren ein wichtiges Thema am Alpwirtschaftskurs des Landwirtschaftlichen Zentrums St. Gallen vom 28. August 2026. Die wichtige Erkenntnis: Ohne die Investition in die Tränkeanlagen wäre der Alpbetrieb nicht mehr möglich.
Die Ortsgemeinde Sargans investiert laufend in die Verbesserung ihrer Alpen Tamons und Matells. In den Jahren 2019 bis 2022 realisierte sie die Erneuerung der gesamten Tränkewasserversorgungsanlage mit 18 Quellen, 63 Brunnen und rund 6500 Metern Leitungen. An die Gesamtkosten von 632’190 Franken konnten wir dank der grossartigen Unterstützung von vielen Spenderinnen und Spendern insgesamt 428’530 Franken beitragen.
Dass sich diese Investition gelohnt hat, zeigte sich eindrücklich im trockenen Sommer 2026. Alle Tiere – 93 Milchkühe, 400 Stück Galtvieh, 40 Mutterkühe mit Kälbern, 65 Ziegen und fast 60 Schweine – hatten die ganze Zeit genügend und einwandfreies Trinkwasser. Der Wasserverbrauch in der Käserei, im Stall und im Haushalt konnte durchgehend gedeckt werden. Dass darüber hinaus die ganze Zeit genügend Futter zur Verfügung stand, half mit, dass der Alpbetrieb die ganze geplante Saison gewährleistet war.
Trockene Perioden überbrücken
Peter Bolt, der sich ehrenamtlich um die Wasserversorgung kümmert, erklärte den Teilnehmenden des Alpwirtschaftskurses die aufwendigen Arbeiten. Wichtig war dabei, alle Quellen mit einwandfreiem Wasser sauber zu fassen, neue Leitungen zu verlegen, kaputte Brunnen zu ersetzen und die Brunnenplätze zu befestigen. Ein neues Reservoir fasst 75’000 Liter Wasser. Damit können lange Trockenperioden überbrückt werden. Das Ziel für die Ortsgemeinde war die Sicherung der Wasserversorgung für die nächsten dreissig Jahre. Diese Arbeiten im bergigen Gelände sind anspruchsvoll und setzen viel Erfahrung und langzeitige Beobachtungen voraus, zum Beispiel beim Suchen und Fassen von Quellen. Beiläufig lieferte Peter Bolt einen Einblick in die Kunst des Quellfassens: langsam nachgraben – bei «obsigend», also aufwärtsgehendem Mond –, wasserführende Schichten schonen, Rückstau vermeiden, weil sich dann das Wasser einen anderen Weg sucht.
Auch für den amtierenden Ortspräsidenten Daniel Peter steht fest: «Ohne die Sanierung der Viehtränke ginge es nicht mehr. Klar, es gibt jedes Jahr neue Erkenntnisse, die man in Verbesserungen einfliessen lassen kann – aber dank der Investition in die Tränkewasserversorgungsanlage sind wir sehr gut aufgestellt.»
Intensive Vorgeschichte
Heinz Lutz, ab 1984 im Verwaltungsrat und von 2008 bis 2020 Präsident der Ortsgemeinde Sargans, kennt die Alp seit mehr als 70 Jahren. Er war wesentlich an den Vorbereitungen zur Sanierung beteiligt. Vor der Auftragserteilung wurden die Quellen, Brunnenstuben, Brunnen und Leitungen durch Leute von der Ortsgemeinde aufgenommen. Das konnte sehr kostengünstig durchgeführt werden, weil Peter Bolt und ein weiterer Kollege ausserhalb der Alpzeit vor Ort waren. Sie dokumentierten Koordinaten, Höhenangaben, Gefälle, Leitungen der alten Anlagen und erfassten die Schüttungen der Quellen über längere Zeit. «In der Landschaft sieht man manchmal Überreste von etwas Baulichem, beim Nachsuchen stösst man manchmal auf eine Quelle.» Informationen gab es auch von früheren Pächtern und dem Alppersonal. Diese Unterlagen stellte die Ortsgemeinde dem beauftragten Ingenieurbüro zur Verfügung, was beträchtliche Kosten sparte. Wichtig ist auch die Wasserqualität. Zum Beispiel machten Heinz Lutz und seine Leute während zehn Jahren Analysen der Quelle Madfurgl.
Ein weiterer Aspekt ist die Kommunikation mit Behörden und Naturschutzorganisationen. So konnten Einsprachen zum Teil verhindert oder gemeinsam geregelt werden. Wichtig ist dabei, Betont Heinz Lutz, dass man die Situation vor Ort begutachtet. «Auf dem Weg über das Riet zum Brunnen Leckstein hat sich ein Adler vor uns niedergesetzt. Ich habe den Leuten gesagt, das sei doch auch ein Beweis dafür, dass wir nicht alles falsch gemacht haben. Das hat schon Eindruck gemacht.»
Zur Kommunikation gehörte auch, dass die Verantwortlichen Arbeitswochen mit Schulklassen organisierten und dabei die Herausforderungen der Berggemeinden und die Rücksicht auf die Natur thematisierten. Wichtig ist, dass solche Aktionen auch Niederschlag in den Medien finden.
Einen weiteren positiven Einfluss auf die Kosten hatte die Tatsache, dass die Ortsgemeinde die Arbeiten unter eigener Regie durchführte, mit Leuten aus dem Umfeld der Alp. Für das Fassen der grösseren Quellen wurden ausgewiesene Fachleute beigezogen. «Beim Material hingegen haben wir nicht gespart und zum Beispiel bei den Schächten der Quellfassungen und bei den Brunnenstuben Chromstahldeckel eingesetzt. Teilweise konnten wir diese als gebrauchte Deckel von Anlagen günstig erwerben.» In bester Erinnerung bleibt Heinz Lutz, mit wie viel Herzblut die Bauarbeiter, Maschinisten und das eigene Personal die Arbeiten erledigten.
Der Ausbau und die Sicherung der Wasserversorgung auf den Alpen ist wegen zunehmender Trockenperioden und des Klimawandels für viele Alpbetriebe überlebenswichtig geworden. Die Tränkewasserversorgungsanlagen auf den Alpen, namentlich die Weidebrunnen, stellen dabei einen wichtigen Faktor dar. Sie müssen sowohl qualitativ wie auch quantitativ hohen Ansprüchen genügen.
Die Sanierung und Erschliessung von Quellfassungen sowie der Neubau von Reservoiren, Wasserleitungen und Pumpen können wir, dank Ihrer Mithilfe, auch bei anderen Projekten weiterhin unterstützen.



















