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Renaturierung der Cornoline im Unterdorf zum Schutz vor Naturgefahren

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Bericht

Cornol JU

Cornol liegt 8 km öst­lich des Bezirkshauptorts Porrentruy (Luftlinie) und ist nach dem Mont Terri Tunnel auf der A16 das erste Dorf in der Ajoie. Das ehe­ma­li­ge Strassen- und Bachzeilendorf erstreckt sich ent­lang des Baches Cornoline in der Ajoie (deutsch Elsgau), am Nordfuss des Kettenjuras. Typisch für die Gegend ist der Dorfbach, der ent­lang der Strasse durch das gan­ze Dorf fliesst. Daneben befin­den sich noch vie­le Damassine Bäume. Etwas bekann­ter als Cornol selbst ist das Nachbardorf Courgenay.

Cornol kann auf eine sehr lan­ge Siedlungstradition zurück­blicken. Der Mont Terri war seit dem Neolithikum ein befe­stig­ter Siedlungsplatz; wei­te­re Funde, die man in einer Höhle in der Nähe des Dorfes ent­deck­te, las­sen sich auf die spä­te Bronzezeit datie­ren. Die Kelten errich­te­ten hier das Oppidum auf dem Mont Terri.

Erste Erwähnung fin­det das Dorf 1136 als Coronotum, spä­ter erschei­nen auch die Bezeichnungen Coronolt (1180) und Corenol (1406). Cornol kam 1271 zum ersten Mal an das Fürstbistum Basel. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert gehör­te es zum Meieramt Alle. Während der Unruhen von 1730 bis 1740 revol­tier­ten die Dorfbewohner gegen die fürst­bi­schöf­li­che Obrigkeit. Von 1793 bis 1815 gehör­te Cornol zu Frankreich und war anfangs Teil des Département du Mont-Terrible und ab 1800 mit dem Département Haut-Rhin ver­bun­den. Durch den Entscheid des Wiener Kongresses kam der Ort 1815 an den Kanton Bern und am 1. Januar 1979 an den neu gegrün­de­ten Kanton Jura.

Die erste Pfarrkirche von Cornol war die Kapelle Saint-Julien, die nach dem Dreissigjährigen Krieg in Saint-Gilles umbe­nannt und 1699 neu gebaut wur­de. Sie steht weit aus­ser­halb des Dorfes am Fuss des Mont Terri an der Stelle des ehe­ma­li­gen Dorfes Courtemblin, das wäh­rend des Dreissigjährigen Krieges zer­stört und danach nicht mehr auf­ge­baut wur­de. Als im Ortskern 1785 - 87 die neue Kirche Saint-Vincent erbaut wur­de, erhielt die­se den Status der Pfarrkirche. Ein impo­san­tes Gebäude ist das Restaurant du Lion d’Or (Zum Goldenen Löwen) aus dem 18. Jahrhundert. Im Ortszentrum befin­den sich noch zahl­rei­che typi­sche Bauernhäuser aus dem 18. und 19. Jahrhundert.

Bevölkerung

1970855 Einwohner
1980708 Einwohner
2000797 Einwohner
heu­te1’078 Einwohner

Altersstruktur

0 - 15 Jahre193 Personen18 %
16 - 65 Jahre696 Personen65 %
über 65 Jahre189 Personen17 %

Schulen

104 Primarschule (1. bis 8. Klasse)in Cornol
33 Oberstufenschülerin Porrentruy

Gemeindefläche

Wald352 ha
Landwirtschaftliche Nutzfläche605 ha
Siedlungsfläche78 ha
unpro­duk­tiv15 ha
Total1’050 ha

Cornol liegt auf 520 m.ü.M. und befin­det sich in den Bergzonen I und II.

Erwerbsstruktur

8Landwirtschaftsbetriebe Haupterwerb
71Handwerk und Industrie

Cornol ent­wickel­te sich im 19. Jahrhundert vom Agrar- zum Industriedorf. Schon im 18. Jahrhundert gewann die Töpferei an Bedeutung und ent­wickel­te sich im 19. Jahrhundert wei­ter. Zu die­ser Zeit kamen die Uhrenindustrie, der Abbau von Gips und die Eisenverhüttung hin­zu. Heute ist die orts­an­säs­si­ge Bevölkerung vor allem im loka­len Kleingewerbe tätig. Dank der frucht­ba­ren Böden in der Umgebung hat die Landwirtschaft jedoch heu­te noch einen gros­sen Stellenwert.

Vereine

Die Einwohner kön­nen sich am gemein­schaft­li­chen Leben in 12 ver­schie­de­nen Vereinen wie Sportclub, Gymnastikverein, Dartsclub, Verschönerungsverein, Fussballclub, Musikgesellschaft, Fischerverein, Schützenverein, Jugendgruppe, St. Cäcilien-Chor usw. beteiligen.

Tourismus

Cornol mag klein sein, aber es ist zwei­fel­los eine Reise wert, vor allem, wenn man Natur, Geschichte und Ruhe schätzt. Zu den loka­len Sehenswürdigkeiten zäh­len die Chapelle de Saint-Gilles, eine char­man­te Kapelle mit histo­ri­schem Flair, sowie die Grotte Notre-Dame de Lourdes, ein spi­ri­tu­el­ler Rückzugsort inmit­ten der Natur. Auch die Kirche Saint-Vincent und das klei­ne Museum La Saboterie, das sich der tra­di­tio­nel­len Holzschuhmacherei wid­met, geben Einblicke in die loka­le Kultur.

Für Aktivurlauber bie­tet sich die Umgebung von Cornol ide­al zum Wandern, Radfahren oder Paragliding an. Wer es dann doch lie­ber gemüt­lich mag, kann durch die umlie­gen­den Wälder spa­zie­ren oder die Aussicht vom Col de la Croix geniessen.

Das nahe­ge­le­ge­ne Porrentruy mit sei­nem Schloss oder das mit­tel­al­ter­li­che Saint-Ursanne mit der berühm­ten Steinbrücke Pont St-Jean sind defi­ni­tiv auch einen Besuch wert.

Für Besucher ste­hen eine Gruppenunterkunft sowie 2 Restaurants zur Verfügung.

Die finanzielle Lage der Gemeinde

Nettoverschuldung pro Kopf 2024Fr.4’442.40
Steuereinnahmen pro Kopf 2024Fr.2’661.90
Abschreibungen 2024Fr.266’393.55
AusgabenüberschussFr.36’451.42
Finanzausgleichsbeitrag 2024Fr.222’044.--
Gemeindesteuerfuss2.05
Höchster Steuerfuss im Kanton2.35
Tiefster Steuerfuss im Kanton1.40

Direkte Bundessteuer pro Kopf 2022:

Gemeinde CornolFr.1’143.--
Kanton JuraFr.1’330.--
SchweizFr.3’008.--

Projekt

Seit vie­len Jahren führt die Gemeinde Cornol Massnahmen zur Renaturierung der Cornoline durch, von der Quelle bis zur Mündung, um die Hochwassergefahr für die umlie­gen­den Häuser zu ver­rin­gern. Die ent­spre­chen­den Arbeiten im Oberdorf sind bereits rea­li­siert. Ein letz­ter gros­ser Abschnitt im Unterdorf von Cornol ist wei­ter­hin mit gerin­gem bis mitt­le­rem Risiko hoch­was­ser­ge­fähr­det. In die­sem Bereich soll die Cornoline nun eben­falls rena­tu­riert und der Hochwasserschutz erhöht wer­den. Beim vor­lie­gen­den Projekt han­delt es sich um die letz­te Etappe der Renaturierung.

Das Projektgebiet liegt gröss­ten­teils inner­halb des Gewässerschutzgebietes der Cornoline. Der Fluss bewegt sich auf den 500 Metern Länge des pro­jek­tier­ten Abschnittes durch bewohn­tes Gebiet von Cornol, und es erstreckt sich von der Kreuzung Baroche (der ehe­ma­li­gen Bäckerei) bis zum Chemin de la Pran. Nicht weni­ger als 24 Eigentümer sind direkt von den Veränderungen betrof­fen, dar­un­ter auch 4, wel­che einen pri­va­ten Übergang über die Cornoline besitzen.

Das Revitalisierungsprojekt sieht die Verbreiterung des Wasserlaufs an meh­re­ren Stellen sowie die Neugestaltung des klei­nen Platzes an der Rue du Château nahe Grundstück 593 vor. Dadurch kann das Überschwemmungsgebiet erwei­tert wer­den. Dabei soll das Flussbett erwei­tert und teil­wei­se tie­fer­ge­legt wer­den. Ausserdem umfasst das Vorhaben geziel­te Massnahmen zur Ufergestaltung und die Erweiterung der Wasserfläche durch die Anlage von über­flut­ba­ren Terrassen. Gleichzeitig wird die Bepflanzung des gesam­ten Flussufers neugestaltet.

Ebenfalls müs­sen in die­sem Bereich sowohl Trinkwasser- und Abwasserleitungen als auch die Stromversorgung ver­setzt wer­den. Das gan­ze Projekt ist kom­plex, ent­spre­chend haben die Planungsarbeiten viel Zeit in Anspruch genommen.

Das Projekt ist an stren­ge Auflagen gebunden:

Um die Brutzeit der Vögel nicht zu gefähr­den, dür­fen die Fäll- und Rodungsarbeiten an der Ufervegetation inner­halb eines Mindestzeitraumes zwi­schen dem 2. August und dem 31. März durch­ge­führt wer­den. Abgesehen von der durch das Projekt betrof­fe­nen Ufervegetation tan­gie­ren die Arbeiten die übri­ge Vegetation nicht.

Die Arbeiten wer­den grund­sätz­lich unter trocke­nen Bedingungen durch­ge­führt, dabei ist zwin­gend eine Wasserumleitung erfor­der­lich. Zum Schutz der Wasserlebewesen müs­sen alle Arbeiten im Wasser wie Installation und Umleitung des Wassers inner­halb eines Mindestzeitraumes, spä­te­stens jedoch zwi­schen dem 1. Mai und dem 31. Oktober, durch­ge­führt wer­den. Bei erheb­li­cher Trübung durch die Arbeiten müs­sen die­se unver­züg­lich ein­ge­stellt und die Umweltbehörde benach­rich­tigt werden.

Die Umweltbehörde muss vor Beginn jeder Arbeitsphase im Gewässer infor­miert, um die vor­gän­gi­ge Abfischung zu orga­ni­sie­ren. Die Arbeiten im Flusslauf müs­sen umge­hend nach der Abfischung beginnen.

Der Standort und die Anzahl der Installationen wie z.B. Strukturelemente im Feuchtgebiet, Totholzhaufen, Trockenmauern und Anpflanzungen, wer­den in Abstimmung mit der Umweltbehörde im Laufe der Arbeiten unter Beteiligung des Amtes für ange­wand­te Biologie festgelegt.

Das Projekt wur­de an der Gemeindeversammlung vom 16. Dezember 2021 beschlossen.

Die Arbeiten wur­den am 26. Mai 2026 in Angriff genom­men und wer­den ca. ein Jahr dau­ern. Demnach kann mit dem Abschluss aller Arbeiten im Frühsommer 2027 gerech­net werden.

Kosten und Finanzierung

Die Kosten sehen wie folgt aus:

TiefbauarbeitenFr.535’125.45
Wiederaufbau der bei­den FussgängerbrückenFr.10’901.90
Beleuchtung, Versetzen der Laternenmasten usw.Fr.20’000.--
Markierung, Signalisierung usw.Fr.30’000.--
HonorareFr.192’355.40
Notar und GeometerFr.10’000.--
Gefahrenkarte nach Bauarbeiten aktualisierenFr.10’000.--
Alarmsystem über­ar­bei­tenFr.5’000.--
Bachpflege über 3 Jahre usw.Fr.25’000.--
Verschiedenes und UnvorhergesehenesFr.120’000.--
Total KostenFr.958’382.75

Die Finanzierung ist fol­gen­der­mas­sen vorgesehen:

Total KostenFr.958’382.75
./. Subventionsbeitrag Bund und KantonFr.465’636.40
./. Beitrag Kantonale GebäudeversicherungFr.29’133.--
Noch zu finan­zie­ren­de RestkostenFr.463’613.35

Die Gemeinde Cornol ist nach wie vor hoch ver­schul­det, und der Steuerfuss gehört zu den höch­sten des Kantons.

Die Cornoline fliesst durch ein enges Siedlungsgebiet, wo schon gerin­ge Abflusssteigerungen zu Überflutungen füh­ren kön­nen. Die Stabilisierung des Bachprofils, die Verbesserung der Uferbereiche und die geziel­ten Eingriffe zur Wasserführung redu­zie­ren das Überschwemmungsrisiko erheb­lich. Das Ziel der Revitalisierung der Cornoline ist sowohl die öko­lo­gi­sche Verbesserung als auch der Schutz der Bevölkerung vor Hochwasser. Die Revitalisierung ist dadurch eine Investition in die Sicherheit, die Lebensqualität und die Zukunft der Gemeinde Cornol.

Eine Unterstützung an die­ses zukunfts­wei­sen­de und nach­hal­ti­ge Projekt kön­nen wir Ihnen sehr empfehlen.

Bis heu­te konn­ten wir eine Spende in der Höhe von Fr. 35’000.-- vermitteln.