Hochwasserschutzprojekt Münstigerbach
Goms VS
Die Gemeinde Goms liegt im Bezirk Goms, im oberen Wallis und ist sowohl eine Munizipal- als auch eine Burgergemeinde. Sie besteht seit dem 1. Januar 2017 durch den Zusammenschluss der Gemeinden Niederwald, Blitzingen, Grafschaft, Reckingen-Gluringen und Münster-Geschinen. Die ehemalige Gemeinde Grafschaft ist im Jahre 2001 aus der Fusion der Gemeinden Selkingen, Biel VS und Ritzingen VS entstanden. Die Ortschaften Reckingen VS und Gluringen bildeten ab dem Jahr 2004 bis 2016 die ehemalige Gemeinde Reckingen-Gluringen. Münster VS - der Bezirkshauptort - fusionierte im Jahr 2004 mit Geschinen zur ehemaligen Gemeinde Münster-Geschinen.
Das Wappen wurde von der ehemaligen Gemeinde Münster-Geschinen übernommen. Die darauf ersichtliche Bergsilhouette stellt das Weisshorn dar.
Schon in der Steinzeit fanden Menschen hier Schutz und Lebensraum im weiten Tal der jungen Rhone. Später, in der Römerzeit, wurde das Gebiet Teil der Provinz Raetia und lag an bedeutenden Handelsrouten über die Alpen.
Im 9. Jahrhundert wanderten Alemannische Siedler ein und brachten ihre Sprache und Kultur mit, die bis heute die lokale Mundart prägt. Die Dorfgemeinschaften entwickelten sich zu autonomen Einheiten mit starkem Gemeinschaftssinn. Dieses Erbe ist auch in der heutigen Gemeinde noch zu spüren.
Im Mittelalter war Goms ein strategischer Knotenpunkt: die Kontrolle über wichtige Pässe wie den Furka und den Grimsel machten das Tal politisch bedeutsam. 1362 trat Goms der Eidgenossenschaft bei und wurde Teil des schweizerischen Bündnissystems.
Mit dem Furka-, Grimsel- und Nufenenpass befinden sich gleich 3 der schönsten Alpenpässe der Schweiz im Goms. Die Pässe ermöglichen nicht nur die schnellere Einreise ins Goms, sondern bieten Radfahrern, Wanderern und Besucher einmalige Erlebnisse und Aussichten.
Bevölkerung
| Heute | 1’165 Einwohner |
Altersstruktur
| 0 - 15 Jahre | 112 Personen | 10 % |
| 16 - 65 Jahre | 673 Personen | 58 % |
| über 65 Jahre | 380 Personen | 32 % |
Schulen
| 9 Kindergartenschüler | in Münster |
| 47 Primarschüler | in Münster |
| 28 Real- und Sekundarschüler | in Münster und Fiesch |
Gemeindefläche
| Wald | 2’558 ha |
| Landwirtschaftliche Nutzfläche | 3’358 ha |
| Siedlungsfläche | 176 ha |
| unproduktiv | 6’804 ha |
| Total | 12’896 ha |
Der Standort der Gemeindeverwaltung liegt in Gluringen auf 1’338 m.ü.M. Die Ortschaft Münster, in der das Hochwasserschutzprojekt umgesetzt werden soll, liegt auf 1’389 m.ü.M. Das ganze Gemeindegebiet befindet sich in der Bergzone IV und hat Sömmerungsgebiete.
Erwerbsstruktur
| 25 | Landwirtschaftsbetriebe Haupterwerb |
| 20 | Landwirtschaftsbetriebe Nebenerwerb |
| 1 | Forstwirtschaft |
| 20 | Handwerk und Industrie |
| 69 | Dienstleistungssektor |
Vereine
In Goms werden in 40 verschiedenen Vereinen Kultur, Musik, Gesang, Sport und vieles mehr angeboten.
Tourismus
Die Gemeinde Goms bietet mit seinen einzelnen Bergdörfern wie Münster, Reckingen oder Oberwald eine eindrucksvolle Mischung aus Tradition, Kultur und Outdoor-Erlebnissen. Mit bis zu 300 Sonnentage pro Jahr ist das Hochtal ein Paradies für Naturfreunde, Sportbegeisterte und Ruhesuchende.
Im Sommer verwandelt sich das Goms mit seinen 440 km Wanderwegen und 330 km offiziellen Bike-Trails in ein wahres Wander- und Bikeparadies.
Im Winter machen über 100 km Langlaufloipen das Goms zur einer Top-Destination für Langläufer. Das Langlaufparadies geht durch das gesamte Hochtal von Oberwald bis Niederwald. Durch die optimalen Schneeverhältnisse und die Schneesicherheit ist Goms zudem auch perfekt für Winterwanderer und Schneeschuhläufer. Es werden bis 70 km präparierte Winterwanderwege und 30 km Schneeschuhtrails angeboten. Das kleine Skigebiet mit seinen 2 Skiliften bietet ausserdem ideale Bedingungen für Familien, Anfänger und alle, die es gemütlich mögen.
11 Hotels mit 531 Hotelbetten oder 1’498 Ferienwohnungen bieten Übernachtungsmöglichkeiten an, und 3 Gruppenunterkünfte und 26 Restaurants runden das Angebot ab.
Die finanzielle Lage der Gemeinde 2024
| Nettovermögen pro Kopf | Fr. | 4’182.76 |
| Steuereinnahmen pro Kopf | Fr. | 4’034.29 |
| Ausgabenüberschuss | Fr. | 1’073’288.46 |
| Abschreibungen | Fr. | 318’607.65 |
| Finanzausgleichsbeitrag | Fr. | 703’746.-- |
| Besondere Einnahmen (Konzessionen usw.) | Fr. | 546’098.85 |
| Gemeindesteuerfuss | 1.1 | |
| Höchster Steuerfuss im Kanton | 1.4 | |
| Tiefster Steuerfuss im Kanton | 1.0 |
Die Direkte Bundessteuer pro Kopf 2022:
| Gemeinde Goms | Fr. | 1’199.-- |
| Kanton Wallis | Fr. | 1’726.-- |
| Schweiz | Fr. | 3’008.-- |
Zum Projekt
Der Münstigerbach entspringt am Minstigergletscher, fliesst durch ein alpines Tal mit mittlerem bis starkem Gefälle und durchquert schliesslich das Dorf Münster, bevor er in die Rhone mündet. Zusätzlich wird er von zahlreichen Quellen gespeist.
In den letzten 37 Jahren gab es drei Grossereignisse, von denen die ersten beiden zu erheblichen Schäden führten. Beim letzten Unwetter von 2024 waren die Schäden, trotz seines Ausmasses, geringer.
Ein Murgang mit 25’000 bis 30’000 m³ Material verwüstete im Jahr 1987 nach intensiven Niederschlägen und dem Ausbruch eines Gletschersees den Dorfkern von Münster. Danach wurde oberhalb des Dorfes ein Geschiebesammler mit einem Rückhaltevermögen von 50’000 m³ errichtet. Auf dem Abschnitt durch das Dorf, zwischen dem Geschiebesammler und dem Teil unterhalb des Dorfes, wurde das Gerinne des Wildbachs ausgebaut.
Nach dem Ausbruch eines Gletschersees ergoss sich im Jahr 2008 ein Murgang mit 50’000 m³ Material in den bestehenden Geschiebesammler. Weil das Auslaufwerk des Geschiebesammlers nicht richtig funktionierte, floss die Hälfte des Geschiebes durch das Bauwerk hindurch und richteten im Dorf Münster erneut grossen Schaden an. Nach diesem Ereignis wurde das Auslaufbauwerk des Geschiebesammlers verstärkt und verbessert sowie das Gerinne des Wildbaches instandgesetzt.
Am 29. Juni 2024 führte nach intensiven und langanhaltenden Niederschlägen ein Murgang ca. 90’000 m³ mit sich. 70’000 m³ wurden im Geschiebesammler zurückgehalten, doch 20’000 m³ wälzten sich durch das Dorf und lagerten sich unterhalb des Dorfes ab. Der Trog des Wildbaches wurde durch die Unterspülungen stark beschädigt. Der Geschiebesammler wurde vom Murgang überflutet. Glücklicherweise war am Geschiebesammlerdamm keine starke Abtragung festzustellen, die zu einem Dammbruch hätte führen können. Die Sofortmassnahmen und Instandstellungsarbeiten wurden nach dem Unwetter, das als HQ300-Ereignis (300-jährliches Hochwasser) eingestuft wurde, unverzüglich in Angriff genommen. Die Schadenssumme beträgt mehrere Millionen Franken.
Aufgrund der immer wiederkehrenden grossen Schäden infolge von Unwettern hat die Gemeinde Goms ein Hochwasserschutzprojekt für den Münstigerbach in Münster ausarbeiten lassen. Es müssen mehrere bauliche und technische Massnahmen umgesetzt werden, um die Sicherheit der Bevölkerung und Infrastruktur langfristig gewährleisten zu können.
Das Projekt sieht folgende Massnahmen vor:
- Der bestehende Geschiebesammler wird erhöht, damit künftig noch grössere Mengen an Geröll und Sediment zurückgehalten werden. Gleichzeitig wird die Abflusssektion des Geschiebesammlers auf 70 m² vergrössert.
- Unterhalb des Geschiebesammlers ist eine weitere Geschiebesperre geplant. Hierzu sind ein Damm mit einem Kontrollquerschnitt sowie eine Terrainveränderung vorgesehen.
- Ebenfalls wird die Zufahrtsstrasse zum Geschiebesammler korrigiert.
- Im Bereich der Dorfdurchquerung müssen 2 Brücken erhöht werden, um das Wasser besser durchleiten zu können. In einzelnen Teilen des Dorfes werden ausserdem verschiedene kleine Massnahmen wie bewegliche Dammbalken umgesetzt.
- Unterhalb der Bahnbrücke bis zur Mündung der Rhone soll das Gewässer aufgeweitet werden.
- Am rechten Ufer wird ein Damm errichtet, der auch als neue Zufahrtsstrasse dienen soll. Ein Gebäude muss dazu enteignet werden. Ausserdem wird eine neue Brücke für die Langlaufloipen gebaut.
- Ebenfalls wird ein bestehender Auenwald aufgewertet.
Diese Arbeiten sind zwingend notwendig, weil der Münstigerbach in der Vergangenheit mehrfach durch Hochwasser und Gletscherseeausbrüche grosse Schäden verursacht hat. Das Projekt soll solche Ereignisse künftig besser abfangen und die Lebensqualität im Dorf sichern.
Das Projekt sowie der Kredit wurden an der Urversammlung vom 17. Juni 2025 beschlossen.
Die Arbeiten sollen im Sommer 2026 in Angriff genommen werden. Das Bauende ist auf 2030 geplant.
Kosten und Finanzierung
Gemäss Kostenzusammenstellung sehen die Kosten wie folgt aus:
| Bauarbeiten Hochwasserschutz | Fr. | 4’641’000.-- |
| Bauarbeiten Revitalisierung | Fr. | 3’648’000.-- |
| Bauarbeiten Besucherlenkung | Fr. | 1’124’000.-- |
| Projekt und Bauleistung, Studien | Fr. | 1’522’000.-- |
| Landerwerb | Fr. | 428’000.-- |
| Diverses, Unvorhergesehenes ca. 15 % | Fr. | 1’411’950.-- |
| Administrativer Aufwand | Fr. | 216’499.-- |
| MwSt. | Fr. | 1’052’307.-- |
| Gesamtkosten | Fr. | 14’043’756.-- |
Die Finanzierung sieht folgendermassen aus:
| Gesamtkosten | Fr. | 14’043’756.-- |
| ./. Subventionsbeiträge Bund * | Fr. | 7’700’000.-- |
| ./. Subventionsbeiträge Kanton * | Fr. | 4’900’000.-- |
| Noch zu finanzierende Restkosten | Fr. | 1’443’756.-- |
* Die definitiven Zusicherungen liegen noch nicht vor.
Das Hochwasserschutzprojekt in Münster ist eine direkte Reaktion auf die zunehmenden Naturgefahren durch den Münstigerbach, insbesondere nach dem Hochwasserereignis im Juni 2024. Ziel ist es, die Bevölkerung, Infrastruktur und Kulturlandschaft langfristig zu schützen.
Die Kombination von Hochwasserschutz und Revitalisierung von Flüssen und Wildbächen gilt als ein besonders nachhaltiger und zukunftsweisender Ansatz. Dabei geht es nicht nur darum, den Menschen vor Überflutungen zu schützen, sondern gleichzeitig auch das Ökosystem zu stärken und Lebensräume aufzuwerten.
Eine finanzielle Unterstützung an dieses Hochwasserschutzprojekt können wir Ihnen wärmstens empfehlen.
Bis heute konnten wir Spenden von Fr. 552’500.-- in Empfang nehmen.















