Hochwasserschutzprojekt Splügen
Rheinwald GR
Rheinwald (rätoromanisch Valragn) ist eine politische Gemeinde der Region Viamala im Kanton Graubünden. Sie umfasst den Grossteil der gleichnamigen Talschaft mit den Orten Hinterrhein, Nufenen, Medels im Rheinwald und Splügen.
Am 1. Januar 2019 fusionierten die Gemeinden Splügen (ab 2006 zusammen mit Medels), Hinterrhein und Nufenen zur neuen politischen Gemeinde Rheinwald. Die Gemeinde Sufers blieb selbstständig, nachdem 2016 die Fusion aller Gemeinden im Rheinwald am Nein der Sufner Stimmbevölkerung gescheitert war. Splügen ist die grösste Ortschaft in Rheinwald und Touristisch das Zentrum über die Grenzen des Rheinwalds hinaus. Die zusammengeschlossene Gemeinde Rheinwald bildet zusammen mit der Nachbargemeinde Sufers den Wahlkreis Rheinwald und gehört zur Region Viamala.
Um 1710 schrieb der Bündner Chronist Nicolin Sererhard: «Das Rheinwald ist wild und scharfen Lüften unterworfen. (…) von diesem Land, wie von den meisten Wildnissen, kann gesagt werden: es sey ein Land, da alle Jahr neun Monath Winter und drei Monath kalt sey.»
Wildnis und ein raues Klima herrschte bestimmt vor, als vor etwa 10’000 Jahren eine kleinere Gruppe von Sammlern und Jägern erste menschliche Spuren im Gebiet des Splügenpasses hinterliess. Ebenso unwirtlich mögen die römischen Söldner, die über den Splügen- und San Bernardinopass zogen, das Rheinwald erlebt haben. Und auch die ersten Siedler – deutschsprachige Walser – erwartete hier eine Wildnis in Form eines kaum überblickbaren alpinen Urwalds. Diese ursprünglich aus dem Oberwallis stammenden Kolonisten stellten sich der Herausforderung und begannen im Rheinwald als Hirten und Bauern zu leben, nachdem sie Teile der Wälder gerodet, Böden urbanisiert und Siedlungen aufgebaut hatten. All dies geschah ganz im Sinne der Feudalherren, die ihre Untertanen bewusst in jene entlegenen Gebiete geschickt haben, um diese Alpentäler zu besiedeln. Als Entgelt für ihre kolonisatorische Tätigkeit sicherten sich die Walser Rechte und Freiheiten, welche die damalige einfache Bevölkerung nicht oder nur selten besass.
Es ist wahrscheinlich, dass die Walser nicht nur als Bergbauern tätig waren, sondern schon bald einmal als Säumer im Transitverkehr einen Zusatzverdienst fanden. Der Warentransport galt als ideale Ergänzung zur bergbäuerlichen Existenz.
Um 1820 wurden die alten Saumwege zu Fahrstrassen ausgebaut. Pferdefuhrwerke ersetzten den traditionellen Säumer mit seinen vollbepackten Pferden, Reisende wurden nun bequem in Postkutschen über die Pässe chauffiert. Der Transitverkehr auf der neuen Kommerzialstrasse über Splügen und Bernhardin erlebte zwar zunächst einen beachtlichen Aufschwung, erhielt dann jedoch wenige Jahrzehnte später grosse Konkurrenz: Alpenbahnen wie die Brenner- oder Gotthardbahn wurden eröffnet, und es erfolgte sogleich eine Verkehrsverlagerung von der Strasse auf die Schiene.
Um 1940 verdüsterte sich die Lage im Rheinwald indes dramatisch: Pläne für einen Gross-Stausee nahmen konkrete Formen an. Bei der Burgruine von Splügen hätte eine Staumauer den Hinterrhein auf einer Länge von neun Kilometern taleinwärts gestaut. Weite Teile des Rheinwalds – insbesondere das ganze Dorf Splügen – wären dabei überflutet worden. Die Talbewohner wehrten sich geschlossen und letztlich erfolgreich gegen dieses Projekt. Mit der Erhaltung des Talbodens war die Existenzgrundlage für die Rheinwalder Bauern gerettet, und die Landwirtschaft erlebte in der Folge einen steten Auftrieb. Die Betriebsausrichtung hat sich von der Aufzucht zur Milchproduktion verlagert; die Dorfsennereien wurden ausgebaut und modernisiert, sodass deren vielfältige Produkte mittlerweile einen regen Absatz im In- und Ausland finden. Die bereits anfangs der 1990er-Jahre erfolgte Umstellung auf Bio-Landwirtschaft hat sich gelohnt, da eine höhere Wertschöpfung generiert werden kann. Die Sennereigenossenschaft Nufenen/Hinterrhein leistete dabei Pionierarbeit: Sie produzierte 1992 als erste Genossenschaft in Graubünden bzw. als zweite in der Schweiz Käse nach Bio-Richtlinien. Einen beachtlichen wirtschaftlichen Aufschwung erlebte Rheinwald auch durch den Bau der heutigen A13 und des San Bernardino-Strassentunnels. Vor allem der Wintertourismus erfuhr dadurch einen rasanten Aufschwung, und die Zahl der Logiernächte in Hotels und Ferienwohnungen stieg stark an.
Bevölkerung
| 2019 | 577 Einwohner |
| Heute | 561 Einwohner |
Altersstruktur
| 0 - 15 Jahre | 58 Personen | 10 % |
| 16 - 65 Jahre | 320 Personen | 57 % |
| über 65 Jahre | 183 Personen | 33 % |
Schulen
| 9 Kindgartenschüler | in Nufenen |
| 22 Primarschüler | in Nufenen |
| 9 Real- und Sekundarschüler | in Splügen |
Gemeindefläche
| Wald | 1’972 ha |
| Landwirtschaftliche Nutzfläche | 4’699 ha |
| Siedlungsfläche | 150 ha |
| unproduktiv | 6’853 ha |
| Total | 13’674 ha |
Rheinwald liegt auf 1’500 m.ü.M., befindet sich in der Bergzone IV und hat Sömmerungsgebiete.
Erwerbsstruktur
| 26 | Landwirtschaftsbetriebe Haupterwerb |
| 5 | Landwirtschaftsbetriebe Nebenerwerb |
| 1 | Forstwirtschaft |
| 16 | Handwerk und Industrie |
| 22 | Dienstleistungssektor |
In den 1930er Jahren wurden im Tal die ersten Kraftwerke gebaut. Neben der Landwirtschaft und etwas Tourismus ist die Energiegewinnung ein bedeutender Wirtschaftsfaktor im Rheinwald. Die meisten der Einwohnerinnen und Einwohner von Hinterrhein leben heute von der Landwirtschaft.
Vereine
Die Einwohner können sich in 16 verschiedenen Vereinen, bestehend aus Kultur und Sport, beteiligen.
Tourismus
Eingebettet in eine imposante Berglandschaft entlang des Hinterrheins, bietet sie eine faszinierende Mischung aus alpiner Natur, historischen Dörfern und vielfältigen Freizeitmöglichkeiten.
Im Sommer locken zahlreiche Wanderwege, von gemütlichen Spaziergängen entlang der Rheinquellwege bis hin zu anspruchsvollen Bergtouren. Mountainbiker finden auf Routen wie der «Runda Lai da Vons» oder zur Tamboalp ihr Glück. Auch kulturell hat Rheinwald einiges zu bieten: Museen wie das Walserama in Nufenen oder das Festungsmuseum Crestawald erzählen spannende Geschichten aus der Region.
Im Winter verwandelt sich die Region in ein Paradies für Wintersportler. Das Skigebiet Splügen-Tambo gilt als besonders schneesicher und bietet Pisten für jedes Niveau. Langlaufloipen, Schneeschuhtrails und Winterwanderwege runden das Angebot ab.
Die Dörfer Splügen, Nufenen, Medels und Hinterrhein bezaubern mit ihrem traditionellen Walsercharme: sonnengebräunte Holzhäuser, historische Säumerherbergen und italienisch anmutende Steinhäuser prägen das Bild. Wer es gemütlich mag, findet in den 8 Hotels mit ihren 218 Betten, 438 Ferienwohnungen oder in den 3 Gruppenunterkünften eine passende Unterkunft. In einem der 11 Restaurants kann man sich verpflegen.
Finanzielle Lage der Gemeinde 2023
| Nettovermögen pro Kopf | Fr. | 12’055.59 |
| Steuereinnahmen pro Kopf | Fr. | 4’146.53 |
| Ertragsüberschuss | Fr. | 1’018’731.27 |
| Abschreibungen | Fr. | 942’600.-- |
| Finanzausgleichsbeitrag | Fr. | 883’062.-- |
| Besondere Einnahmen (Konzession, Klein-KW) | Fr. | 964’897.70 |
| Gemeindesteuerfuss | 100 % | |
| Höchster Steuerfuss im Kanton | 130 % | |
| Tiefster Steuerfuss im Kanton | 30 % |
Direkte Bundessteuer pro Kopf 2022:
| Gemeinde Rheinwald | Fr. | 1’217.-- |
| Kanton Graubünden | Fr. | 2’322.-- |
| Schweiz | Fr. | 3’008.-- |
Zum Projekt
Der Hüscherabach entspringt am Splügenpass zwischen dem Piz Tamborello und dem Schwarzhorn und mündet im Dorf Splügen in den Hinterrhein. Auf dem untersten Bachabschnitt bedroht der Gewässerlauf die Kantonsstrasse (Splügenpass-Strasse) und die Nationalstrasse A13 sowie einzelne Gebäude und Infrastrukturanlagen auf dem Gebiet der Gemeinde Rheinwald durch Überschwemmungen und Ufererosionen.
Während des Hochwasserereignisses vom 12. Juni 2019 trat der Hüscherabach über seine Ufer und übersaarte grosse Teile des Siedlungsgebietes von Splügen. Vom Hochwasser war auch die Nationalstrasse A13 und die Splügenpass-Strasse stark betroffen. Infolge von starken Geschiebeauflandungen im Bereich des Zusammenflusses des Hüscherabachs mit dem Hinterrhein, erfolgte im Hinterrhein ein Rückstau, der zur Folge hatte, dass dieser über die Ufer trat und Teile von Splügen und die Kantonsstrasse überschwemmte.
In Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Strassen ASTRA und dem Tiefbauamt Graubünden möchte die Gemeinde Rheinwald mit dem vorliegenden Projekt «Hochwasser Splügen» die Hochwasserschutzdefizite am Hinterrhein und am Hüscherabach beseitigen.
Die Gemeinde wird die problematische «Erlawegbrücke», die als Hauptschwachstelle gilt, rückbauen. Der Autobahnzubringer wird neu über eine neu erstellte Zufahrt erfolgen. Dadurch wird Platz geschaffen, um den Zusammenfluss des Hüscherabachs mit dem Hinterrhein neugestalten und ein naturnahes Delta bilden zu können. Weiter sollen beim Hinterrhein das orografisch linke Ufer mit einem Längsdamm erhöht werden. Durch diese Massnahme wird der Hinterrhein zukünftig daran gehindert, über seine Ufer zu treten.
Die Hochwasserschutzmassnahmen am Hüscherabach sehen vor, dessen Abflusskapazität mit Ufererhöhungen zu verbessern. Das anfallende Geschiebe soll mit drei verschiedenen Massnahmen künftig bewältigt werden können. Dadurch werden anfallendes Geschiebe und Schwemmholz teilweise zurückgehalten, umgelagert, aber auch durchgeleitet. Hierzu sind ein Holz- und Geschieberückhalt und eine Aufweitung des Gerinnes vorgesehen.
In Verbindung mit der Umlegung des Nationalstrassenanschlusses der A13 durch das Bundesamt für Strassen ASTRA wird nachhaltig ein grosser Betrag zum Schutz des Lebensraumes des Hinterrheins und des Hüscherbachs sowie zur Förderung der Biodiversität und zur Aufwertung der Landschaft geleistet.
Um die Ziele eines wirksamen Hochwasserschutzes zu erreichen, werden zusammenfassend folgende Massennahmen umgesetzt:
- Am Hüscherabach werden Engstellen beseitigt, indem das Bachbett verbreitert wird. Neue Leitstrukturen wie Buhnen oder Blockrampen lenken den Wasserfluss gezielt und reduzieren somit die Erosionsgefahr. Diese Massnahmen verbessern auch die Durchgängigkeit für Fische.
- Am linken Ufer des Hinterrheins wird ein Längsdamm erhöht und verstärkt. Ziel ist es, den Hochwasserschutz für das Dorf Splügen und die angrenzende Infrastruktur deutlich zu verbessern.
- Da der Hüscherabach viel Geröll mitführt, werden spezielle Rückhaltebauwerke errichtet oder bestehende angepasst. Diese sollen verhindern, dass bei Starkregen grosse Mengen Geschiebe unkontrolliert ins Tal gelangen und Schäden verursachen.
- Neben dem technischen Hochwasserschutz wird grosser Wert auf ökologische Aspekte gelegt wie Uferbepflanzungen mit standorttypischen Gehölzen, Schaffung von Flachwasserzonen und Kiesbänken sowie die Sicherstellung einer dynamischen Restwassermenge im Bach.
- Mehrere Brücken und Durchlässe entlang des Hüscherabachs müssen angepasst oder neu gebaut werden, um den erhöhten Abflussmengen standzuhalten.
Das Projekt sowie der Kredit und die Vereinbarung mit der ASTRA und dem Tiefbauamt Graubünden wurden an der Gemeindeversammlung vom 25. Oktober 2024 genehmigt.
Die Arbeiten können voraussichtlich im August 2026 in Angriff genommen werden. Man hofft, diese bis im Jahr 2030 abschliessen zu können.
Kosten und Finanzierung
Gemäss Zusammenstellung sehen die Kosten wie folgt aus:
| Investitionskosten Wasserbauprojekt insgesamt | ||
| Geschieberückhalt Mülena | Fr. | 1’800’000.-- |
| Aufweitung/Gerinneausbau Lärchawäldli | Fr. | 2’406’000.-- |
| Verschiebung Fussgängersteg Lärchawäldli | Fr. | 142’000.-- |
| IS Ufer Hinterrhein Allmeini, Teil ASTRA | Fr. | 563’000.-- |
| IS Ufer Hinterrhein Allmeini, Teil Gemeinde | Fr. | 139’000.-- |
| Ufererhöhung Dorf-Mitte | Fr. | 715’000.-- |
| Abbruch Brücke Erlaweg | Fr. | 140’000.-- |
| Neubau Fussgängersteg Erlaweg | Fr. | 141’000.-- |
| Delta Hüscherabach/Aufweitung Hinterrhein | Fr. | 1’957’000.-- |
| Ufererhöhung Dorf Nord und Süd | Fr. | 652’000.-- |
| Fr. | 8’655’000.-- |
| Investitionskosten Gemeinde Rheinwald | ||
| Anteil Gemeinde am Wasserprojekt | Fr. | 4’518’000.-- |
| Instandsetzung bestehende Uferverbauung | Fr. | 139’000.-- |
| Investitionen Brückenanpassungen | Fr. | 423’000.-- |
| Gesamtkosten für die Gemeinde Rheinwald | Fr. | 5’080’000.-- |
Die Finanzierung sieht folgendermassen aus:
| Gesamtkosten für die Gemeinde Rheinwald | Fr. | 5’080’000.-- |
| ./. Subventionsbeitrag Bund * | Fr. | 2’286’000.-- |
| ./. Subventionsbeitrag Kanton * | Fr. | 1’016’000.-- |
| ./. Beitrag Mobiliar Versicherung | Fr. | 250’000.-- |
| ./. Beitrag alpinfra | Fr. | 200’000.-- |
| Noch zu finanzierende Restkosten | Fr. | 1’328’000.-- |
* Die definitiven Zusicherungen liegen noch nicht vor.
Der Hüscherabach ist ein Wildbach, der bei Starkregen und Schneeschmelze viel Wasser bringt und ein erhebliches Gefahrenpotenzial für das Dorf Splügen darstellt. Frühere Ereignisse, insbesondere im Jahr 2019, haben Schwachstellen im bestehenden Schutzsystem aufgezeigt.
Ziel des Projektes ist es, den Hochwasserschutz für die Siedlungen, Verkehrswege und Infrastrukturen zu verbessern. Gleichzeitig sollen ökologische Aufwertungen entlang der Gewässer erfolgen, z.B. durch Revitalisierung und bessere Vernetzung von Lebensräumen. Dadurch wird nicht nur die Sicherheit erhöht, sondern auch zur ökologischen und landschaftlichen Aufwertung im Rheinwald beigetragen. Diese Arbeiten sind Teil eines langfristigen Schutzkonzepts, das nicht nur auf Sicherheit, sondern auch auf Nachhaltigkeit und Lebensqualität im Rheinwald ausgerichtet ist.
Hochwasserschutz ist mehr als nur Dämme und Mauern. Es ist ein Ausdruck von Verantwortung für die Menschen, die in Rheinwald leben, für den Tourismus, von dem die Rheinwalder leben und für die Natur, in der gelebt wird. Durch das Projekt werden Bachläufe revitalisiert, was Lebensräume für Tiere und Pflanzen schafft.
Wer heute in den Hochwasserschutz investiert, spart morgen Millionen an Schäden.
Eine finanzielle Unterstützung an dieses Hochwasserschutzprojekt können wir Ihnen wärmstens empfehlen.
Bis heute konnten wir Spenden von Fr. 280’100.-- entgegennehmen.



















