Jahresversammlung vom 5. Mai 2017

 

Rund 500 Besucher – Vertreter von Kantonsregierungen, Städten, Gemeinden, Stiftungen, Firmen, Institutionen sowie private Gönnerinnen und Gönner – konnte Präsident, alt Bundesrat Dr. Hans-Rudolf Merz, am 5. Mai 2017 in Zürich-Oerlikon begrüssen. Das Jahresergebnis liegt erfreulicherweise leicht über demjenigen des Vorjahres. Ein wichtiges Traktandum waren die Wahlen – Korpskommandant a.D. André Blattmann und alt Regierungsrat Dr. Ruedi Jeker verstärken den Vorstand.

 

Es gelang der Schweizer Patenschaft für Berggemeinden auch im Jahr 2016, die Zuwendungen von Gönnerinnen und Gönnern mit dem Bedarf der Berggemeinden zur Deckung zu bringen: «Im Berggebiet tut sich zurzeit sehr viel. Energiepolitik, Tourismus, Zweitwohnungen, Infrastrukturen sind die Stichworte. Und wo Gefahr im Anzug ist, da wächst bekanntlich auch das Rettende – meist mit Gemach. Nicht umsonst spricht man für die Bewältigung von Schwierigkeiten von einem Rhythmus von drei Jahren: Im ersten wird das Problem erkannt, im zweiten wird gehandelt und im dritten greift das Neue. Das ist in den Kommunen nicht anders, und die Patenschaft orientiert sich an deren Grundentscheid.»

 

Er bedankte sich bei allen für die Solidarität und Verbundenheit mit den Berggemeinden und Gebirgsregionen: «Sie haben im abgelaufenen Jahr durch anhaltend grosszügige Spenden die Finanzkraft der Patenschaft gestärkt. Damit haben Sie ihre segensreiche Ausstrahlung erst ermöglicht.»

 

 

Über 22 Millionen Franken für die Berggebiete

Geschäftsleiterin Barbla Graf präsentierte die Jahresrechnung mit einem Ergebnis, das leicht über demjenigen des Vorjahres liegt. Der Ertrag betrug 22.5 Mio. Franken. Davon wurden 18.7 Mio. Franken für Projekte verwendet: 8.2 Mio. Franken gingen an Infrastrukturprojekte, 3.6 Mio. Franken an das Schul- und Gesundheitswesen, 3.1 Mio. Franken an landwirtschaftliche Vorhaben, 1.1 Mio. Franken an forstwirtschaftliche Projekte, 2.1 Mio. Franken an Verbauungen und Instandstellungen nach Elementarschäden. 630'000 Franken gingen an kulturelle Projekte und an die Anschaffung von Fahrzeugen. Zudem wurde der Schulfonds um 1 Mio. Franken aufgestockt. Rund 400 Projekte wurden geprüft, gut 10'000 Stunden leisteten die Vorstandsmitglieder und Experten ehrenamtlich.

 

Verabschiedung aus dem Vorstand

Der Präsident verabschiedete das langjährige Vorstandsmitglied der Patenschaft, Simon Wehrli, und dankte ihm für seinen langjährigen, engagierten Einsatz. Als Ing. Agronom ETH bekleidete er das Amt des Chefs des Meliorations- und Vermessungsamtes des Kantons Graubünden. Seine Berufserfahrung, gepaart mit seiner bodenständigen, natürlichen Art, waren ideale Voraussetzungen für sein Wirken bei der Patenschaft. Er kannte die Gemeinwesen, aber auch seine «Pappenheimer» bestens. In den 14 Jahren seiner Vorstandsarbeit bearbeitete er als Experte vorwiegend Vorhaben im Kanton Graubünden. Mit grossem Engagement hat Simon Wehrli 172 Projekte im Gesamtbetrag von vielen Millionen Franken abgeklärt. Oft wurde er dabei von seiner charmanten Gattin begleitet. Der Präsident dankte Simon Wehrli und auch seiner Frau Ursula für den unermüdlichen Einsatz und für die grosse, und hervorragend geleistete Arbeit, und wünschte ihm für den neuen Lebensabschnitt ohne Patenschaft das allerbeste.

 

Neue Vorstandsmitglieder

Die Jahresversammlung wählte Korpskommandant a.D. André Blattmann und a. Regierungsrat Dr. Ruedi Jeker einstimmig und mit Applaus in den Vorstand. André Blattmann bringt nicht nur reiche Erfahrung und vielseitiges Wissen mit, sondern auch ein ausgeprägtes Bewusstsein für den Dienst an Land und Volk. Dr. Ruedi Jeker war bereits als Experte für die Patenschaft tätig. Seine föderalen Einschätzungen und seine profunden Kenntnisse unserer Gemeinwesen sind für die Tätigkeit der Patenschaft ausserordentlich wertvoll.

 

Dank und Rückmeldungen

Eine Reihe von Regierungsvertretern überbrachte ihren Dank und strich die Bedeutung unserer Organisation hervor. Den Anfang machte Dimitri Moretti, Sicherheitsdirektor des Kantons Uri. Er betonte, wie wichtig Selbstbewusstsein und Handlungsfähigkeit für den Weg in die Zukunft sind. Marie Garnier, Direktorin der Institutionen und der Land- und Forstwirtschaft des Kantons Freiburg, bedankte sich dafür, dass die Spendengelder regelmässig Arbeitsplätze schaffen und daraus Wertschöpfung generiert wird. «Die Solidarität der Menschen mit den Bergregionen ist ebenso wichtig wie der Finanzausgleich», schloss sie. Stefan Müller, Landeshauptmann des Kantons Appenzell Innerrhoden, schloss sich dem Dank an – als solidarischer Akt richtete er diesen auch gleich für seinen Ausserrhoder Kollegen, Regierungsrat Köbi Frei, aus. Die Graubündner Regierungspräsidentin Barbara Janom Steiner wies auf die Rahmenbedingungen hin, die es braucht, damit die Gemeinden ihre Stärken ausspielen und die Herausforderungen meistern können: «Es braucht Unternehmer, die handeln und investieren. Damit dies stattfindet, benötigen die Gemeinden funktionierende Infrastrukturen. Hier setzt die Patenschaft an.» Und Charles Juillard, Regierungsrat des Kantons Jura, wies darauf hin, wie dank "la Patenschaft" jeweils grosse Projekte realisiert werden können, die die Gemeinden finanziell entlasten und langfristig Nutzen bringen.

 

«Wo drückt die Bergregionen der Schuh?»

Als Gastreferent trat Regierungsrat Robert Marti, Departementsvorsteher Bau und Umwelt des Kantons Glarus, auf. In seinem Referat «Wo drückt die Bergregionen der Schuh?» zeigte er Lösungsansätze für die vielfältigen Probleme, wie topografische und strukturelle Nachteile, der demografische Wandel, Finanznöte, Auswirkungen der Finanzkrise, neue Regulierungen, auf. Insbesondere wies er auf die Zusammenarbeit in der Regierungskonferenz der Gebirgskantone (RKGK) hin, welche mit der «Räumlichen Strategie der alpin geprägten Räume in der Schweiz» vier Handlungsfelder definiert und gegen den Bedeutungsverlust der Berggebiete ankämpft:

 

- naturgegebene Qualitäten und Ressourcen erhalten und nutzen,

- alpine Zentren stärken,

- Alpenraum erschliessen,

- Wasserkraft nutzen.

 

Er schloss sein Referat mit einem überzeugenden Votum: «Der Alpenraum ist ein vielfältiger Lebens-, Wirtschafts- und Kulturraum mit lebendigen Regionen und einem hohen Mass an Selbstbestimmung. Er bietet wirtschaftlich, ökologisch und sozial nachhaltige Lebensgrundlagen mit Entwicklungspotenzial.»

 

Freiburger Gastfreundschaft

Aus dem Kanton Freiburg war der Chor «Cantini» angereist. Unter der Leitung von Véronique Jenny-Rudaz boten die zwanzig Kinder einige Kostproben ihrer Gesangskunst und erfreuten das Publikum in höchstem Masse. Der Kanton Freiburg «delegierte» aber auch eine Gruppe Trachtenfrauen und -männer. Die Regierung offerierte den Apéro mit Freiburger Spezialitäten, organisiert wurde er von der Gemeinde Plaffeien. Die feinen Freiburger Spezialitäten, zum Beispiel das Salzgebäck «Seisler Brätzela», waren ein schmackhafter Beweis dafür, dass dieser Kanton seine reichhaltigen Traditionen lebt.