Interview mit Dr. Stephan Civelli, Lotteriefonds des Kantons Zürich, Finanzdirektion des Kantons Zürich

 

"Der Kanton Zürich schätzt das Engagement der Patenschaft"

 

Wie wird der Lotteriefonds des Kantons Zürich gespiesen? Fliessen auch Steuergelder in diesen Fonds?

Nein, der Lotteriefonds wird ausschliesslich mit Geldern aus dem Reinerlös von Swisslos beziehungsweise der Interkantonalen Landeslotterie gespiesen. Er enthält also keine Steuergelder.

 

Worin besteht die Aufgabe des Lotteriefonds?

In erster Linie prüft der Lotteriefonds die Gesuche für Beiträge an gemeinnützige und wohltätige Vorhaben. Dabei ziehen wir jeweils auch das Wissen und die Kompetenz der betreffenden Fachdirektionen mit ein. Massgebend für die Beurteilung der Gesuche sind die Fondsrichtlinien, die der Regierungsrat festgelegt hat. Im Falle einer positiven Beurteilung stellen wir der Finanzdirektorin einen entsprechenden Antrag. Sie kann das Gesuch ablehnen, zur weiteren Abklärung zurückweisen oder dem Regierungsrat zur Beurteilung und Beschlussfassung unterbreiten. Bei Beträgen von mehr als 500'000 Franken geht das Geschäft weiter an den Kantonsrat, der dann zuständig ist. Später ist es die Aufgabe des Lotteriefonds, die bewilligten Gelder auszuzahlen sowie die richtige Verwendung der Mittel und auch das Einhalten von Auflagen zu prüfen.

 

Der Kanton Zürich unterstützte im Jahr 2014 mehrere Projekte der Schweizer Patenschaft mit insgesamt 1'666'000 Franken aus dem Lotteriefonds. 1'388'000 Franken waren es 2013, 1'984'000 im Jahr 2012. Welches sind die Beweggründe?

Der Regierungsrat verfügt für die sogenannte Inlandhilfe, also für Vorhaben in ausgewählten Bergregionen, über einen jährlichen Rahmenkredit, den ihm der Kantonsrat gewährt hat. Hinter den Unterstützungsleistungen in den Kantonen Graubünden, Tessin und Uri sowie im Oberwallis steht der Solidaritätsgedanke mit der dortigen Bergbevölkerung – in Gebieten also, zu denen viele Zürcherinnen und Zürcher eine enge Beziehung haben, zum Beispiel aus der Freizeit. Wie stark eine bestimmte Organisation berücksichtigt wird, hängt in erster Linie von deren Projekten ab, das heisst von ihrer Grösse, ihrer Wirkung und ihrer Qualität. Aber auch von der Anzahl der Gesuche, die eingehen, und dem Geld, das zur Verfügung steht. Wichtig ist uns immer auch, dass der Standortkanton ebenfalls einen angemessenen Beitrag leistet und damit ein Commitment abgibt, dass das Projekt notwendig und sinnvoll ist.

 

Welche Kriterien müssen die Projekte erfüllen, die Lotteriefonds-Beiträge erhalten?

Die Kriterien sind in "Richtlinien für Beiträge zu Gunsten der Inlandhilfe" festgelegt. Beiträge gehen nur an Vorhaben von regionaler Bedeutung in finanzschwachen Regionen der vorhin erwähnten Kantone. Zu diesen Vorhaben zählen Projekte zum Schutz vor möglichen und zur Bewältigung der Folgen von grossen Schadensereignissen, besondere und nachhaltige Investitionen im kulturhistorischen Bereich, besondere Alpwirtschaftsvorhaben, grosse Natur- und Umweltschutzvorhaben und freiwillige Gruppen-Arbeitswochen im Bergwald- und Berglandwirtschaftsbereich. Diese Projekte müssen in der Regel nachhaltig wirken und von mindestens regionaler Bedeutung sein. Dabei übernimmt der Kanton Zürich höchstens den Kostenanteil, den auch der jeweilige Standortkanton leistet.

 

Wie gestaltet sich dabei die Zusammenarbeit mit der Patenschaft?

Die Zusammenarbeit mit allen Inlandhilfeorganisationen ist in der Regel problemlos. Bei langjährigen Partnerorganisationen – wie der Patenschaft – besteht eine grosse Erfahrung beim Ausarbeiten von Gesuchen, zudem ist ihnen der Verfahrensablauf

beim Kanton bekannt. Dies erleichtert die Zusammenarbeit.

 

Wie bewerten und beurteilen Sie die Tätigkeit der Patenschaft?

Der Kanton schätzt das Engagement der Patenschaft. Dies zeigt sich neben den beträchtlichen jährlichen Beitragsleistungen auch in der Zusammenarbeit zwischen Kanton und Patenschaft für den Auftritt am Sechseläuten 2015.

 

Wie verfolgen Sie den Verlauf der Arbeiten und die Nachhaltigkeit der unterstützten Projekte?

Bereits bei der Auswahl der zu berücksichtigenden Projekte ist die Nachhaltigkeit ein wesentliches Kriterium. Im Rahmen seiner Möglichkeiten prüft der Lotteriefonds die Nachhaltigkeit durch jährliche Zwischenberichte und einen Schlussbericht.

 

Wo sehen Sie die Zukunft peripherer und "potenzialarmer Räume", wie die Alpenregionen auch genannt werden?

Diese Räume dürfen nicht nur zum "Freizeitpark" der urbanen Regionen werden, sondern müssen ihren Bewohnerinnen und Bewohnern auch unabhängig vom Tourismus gute und sichere Lebensgrundlagen bieten. Die Kantone der Alpenregionen müssen eine gute Infrastruktur bereitstellen, so dass grosse Teile dieser Regionen ein attraktives Wohn-, Arbeits- und Freizeitgebiet bleiben. Dabei haben die Regionen die schwierige Aufgabe zu lösen, für eine innovative Entwicklung offen zu sein und gleichzeitig die Kulturlandschaft zu bewahren.

 

Was kann man in urbanen Regionen vom Berggebiet lernen?

Eine allgemeine Antwort ist hier wohl rasch einmal pauschal. Mit den entsprechenden Einschränkungen dürfte Folgendes gelten: Die Bergregionen haben akzeptiert, dass es die Natur (mit ihren Gefahren) und Jahreszeiten gibt. Sie haben auf dieser Grundlage eine angepasste, vielfältige Kulturlandschaft entwickelt und sind sich der Kräfte der Natur wohl besser bewusst als die urbanen Gebiete.