Gönnerfahrt 2015 ins Sernftal

 

Die Jubiläums-Gönnerfahrt führte am Freitag, 4. September, mit weit über 100 Gästen – Gönnerinnen und Gönner sowie Vertreter von Stiftungen, Gemeinden, Kantonen und Firmen – ins Sernftal in der Gemeinde Glarus Süd. Eine prominente Glarner Delegation bot einen eindrücklichen Einblick in die alltäglichen Sorgen dieser Bergregion, zeigte aber auch, wie sie Probleme gewinnbringend und zukunftsorientiert löst.

 

Von Schwanden führt die Sernftalstrasse Richtung Elm, und schon nach den ersten paar hundert Metern sieht man an den steilen Hängen links und rechts, woher das Dorf Engi seinen Namen hat. Das Tal wird aber dann wieder weiter und heller, und etwas oberhalb von Engi am Hang ist der Eingang zum Landesplattenberg sichtbar.

 

Hier begrüsste alt Bundesrat Dr. Hans-Rudolf Merz, Präsident der Schweizer Patenschaft für Berggemeinden, die wohlgelaunte Gesellschaft: «Wir haben als Jubiläumsort den Kanton Glarus nicht zufällig gewählt. Glarus ist nämlich in bestverstandenem Sinne einer der lebhaftesten Schweizer Kantone. Die Bevölkerung und Behörden haben im Laufe der jüngeren Zeit teils fundamentale Wesenszüge umgebaut. So fand ein Umbau in der einst textilorientierten Wirtschaft statt, wurden neue politischen Strukturen kraftvoll umgesetzt, und es spielte sich auch ein Wandel in der Parteipolitik ab.»

 

 

Zeigen, was die Patenschaft und ihre Gönner möglich machen

«Tradition und Fortschritt reichen sich im Glarnerland die Hand. Das macht die Faszination dieser zusammenfliessenden Täler aus. Aber ihre Topographie bereitet auch Kummer und manches Kopfzerbrechen, wenn es um die Vielfalt der Aufgaben geht. Nicht umsonst sind seitens der Patenschaft in den letzten zehn Jahren rund sechs Mio. Franken in Restfinanzierungen von Projekten geflossen. Im Vordergrund standen Hilfen zur Bewältigung von Unwetterschäden, Strassen- und Schulbauten – möglich dank der Spenden, dank der Grosszügigkeit und der grossen Solidarität», so der Präsident weiter.

 

Herzlicher Empfang

Die Gemeinde Glarus Süd und der Kanton Glarus begrüssten die Gäste mit einer prominenten Delegation aus Politik und Kultur. Der Alphorn- und Büchelbläser Fridolin Kundert begleitete den Apéro musikalisch. Regierungsrat Benjamin Mühlemann hiess alle willkommen: «Wir freuen uns, Ihnen vor Ort zu zeigen, was die Patenschaft möglich macht. Wir wollen aktiv und attraktiv sein und den Menschen eine gute Lebensgrundlage bieten.» Mathias Vögeli, Gemeindepräsident Glarus Süd, fügte einen grossen Dank an Vorstand, Geschäftsstelle und Gönnerinnen und Gönner der Patenschaft an. «Es bleibt aber noch viel zu tun: Unwetterschutzmassnahmen, Wasserversorgungen, Alpensanierungen, Erschliessungsstrassen, Schulhaussanierungen... Ich bin überzeugt, dass der Stärkere weiterhin dem Schwächeren unter die Arme greift – die Solidarität lebt!»

 

Naturwunder Landesplattenberg

Der Landesplattenberg ist etwas mehr als 200 Millionen Jahre alt. Im damaligen tropischen Meer bildeten sich fein geschichtete Ablagerungen, welche im Zuge der Alpenfaltung vor 40 bis 90 Millionen Jahren an die Oberfläche gerieten. Der Nutzen der Schieferplatten, die hier in vorzüglicher Qualität vorhanden waren, wurde ab dem 16. Jahrhundert erkannt. Die Schieferprodukte wurden abgebaut und fast in die ganze Welt exportiert und brachten Arbeit und Einkommen ins kleine Tal. Nachdem der Betrieb 1961 eingestellt worden war und das Bergwerk während Jahrzehnten stillgelegen hatte, wurde 1994 die Stiftung «Landesplattenberg Engi» zum Schutz des Schieferbergwerks als kulturhistorisches Denkmal gegründet. Treibende Kraft war Kaspar Rhyner, alt Regierungsrat und Ständerat und Präsident der Stiftung. Der Landesplattenberg gehört heute zum UNESCO-Welterbe «Tektonikarena Sardona» und ist auch als «Objekt von nationaler Bedeutung» eingestuft.

 

Gut investierte Spendengelder

Seit der Wiederinbetriebnahme wird der Landesplattenberg jährlich von ca. 12'000 Personen besucht und ist somit eines der wichtigsten touristischen Angebote in Glarus Süd. Neben Führungen durch die Kavernen finden Konzerte, kulturelle Veranstaltungen, aber auch private Anlässe statt. Ganz neu ist eine Konzert- und Theaterarena. Die Patenschaft konnte dank dem grosszügigen Engagement von Gönnerinnen und Gönnern die Felssicherungen, Bau- und Installationsarbeiten mitfinanzieren. Kaspar Rhyner würdigte dieses Engagement: «Ohne die Patenschaft hätten wir die Arena nicht realisieren können – weder von den Finanzen noch von der Motivation her.» Die Anwesenden konnten sich sogleich davon überzeugen, dass das Geld gut investiert ist. Nachdem sie in den Bauch des Berges eingetaucht und auf den Bänken der Arena Platz genommen hatten, begeisterten das Bläserquintett «Seilschaft» unter Mitwirkung unseres Vorstandsmitglieds Dr. Walter Landis und die «Compagnia Rossini» unter der Leitung von Armin Caduff mit ihren hoch professionellen Darbietungen. Die archaische, steinerne Umgebung des ehemaligen Bergwerks mit ihrer mystischen und besinnlichen Atmosphäre – eine Konzerthalle mit ganz besonderer Akustik – hinterliess bei den Besuchern einen nachhaltigen Eindruck.

 

Auf Wiedersehen

Nach dem Transfer nach Elm überraschten die Gastgeber mit einer typischen Speise im Gemeindehaus: Glarner Netzbraten und als Dessert Glarner Pastete. Die Tischgespräche waren lebhaft, die Zeit schritt voran, sodass leider das Nachmittagsprogramm, die Dorfbesichtigung und der Besuch im Schiefertafelmuseum, abgekürzt werden musste. Kaspar Rhyner verabschiedete die Gäste folglich mit einer herzlichen Einladung: «Kommen Sie nächstes Jahr wieder und sehen Sie alles an, was Sie heute verpasst haben.» Diesen Appell darf man nur unterstützen – es lohnt sich!